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Zivildienstseelsorge

Reflexion und Austausch

Die Träger der Evangelischen Zivildienstseelsorge bieten bundesweit eine breite und attraktive Palette an Seminaren und Reisen, exklusiv für ZDL

Von Werner Schulz
Zugegeben, der Begriff klingt abschreckend: „Rüstzeiten“, so nennen viele kirchliche Arbeitsstellen ihre Seminarangebote für Zivis. In den Ohren des Zivi-Neulings mag das nach Ritterspielen, geistlicher Aufrüstung oder religiösen Updates klingen, irgendwie nach vorvorgestern jedenfalls. Wer sich dennoch die Mühe macht, die Programme der einzelnen Landeskirchen einmal genauer zu betrachten,der wird auf ein äußerst attraktives und zeitgemäßes Angebot stoßen: „Filmwerkstatt“, „Training zur Selbstbehauptung“, „Zivi-Filmfestival“, „Musik und Kabarett“, „Berufs- und Studienorientierung“… Außerdem gibt es vielfältige Chancen auf interessante und preiswerte Reisen, etwa zu sozialen Trägern in der Millionenstadt London, zur Jugendbegegnung in Taizé, auf die „Insel der Widersprüche“ nach Sizilien…
Eine „Rüstzeit“, so das Internet-Lexikon Wikipedia, meint entweder die Dauer des Einrichtens einer Maschine, oder – „besonders in der Evangelischen Kirche“ – einen „mehrtägigen Kurs, in dem eine geistige Vertiefung angestrebt wird“. Um Letzteres also geht es: ein paar Tage, die intensiv dem eigenen Geist, der eigenen Seele und dem eigenen Körper gewidmet sind. Raus aus dem Zivi-Alltag, rein in ein neues Thema, ein neues Arbeitsfeld, eine unbekannte Lebenswelt.

Reflexion und Austausch

Die Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Evangelischen Zivildienstseelsorge, die ihre Angebote auch einfach „Workshop“, „Werkwoche“ oder auch „Abrüstzeit“ nennen, stehen in engem Kontakt zu den Zivis und versuchen, mit ihren Themen sowohl nahe an den Interessen der Zielgruppe als auch an wichtigen gesellschaftlichen Fragen und Kontroversen zu bleiben. Da gehört das Verhältnis zum Nachbarn Polen dazu und die Angst vor dem kriegerischen Missbrauch der Religionen. Da geht es um Graffiti-Kunst oder um Trainings gegen Gewalt, ums Abschalten und Ruhe finden oder auch um Bewegung und neue Körpererfahrung.
Es dürfte so ziemlich für jeden ein interessantes Thema zu finden sein. Wichtig sind bei allen Workshops gemeinsame Phasen der Reflexion und des Austausches. Es geht bei derartigen Veranstaltungen nicht um den Event um seiner selbst willen. Es geht auch nicht um Konsum. Es geht ganz entschieden um die eigene Beteiligung und die Begegnung mit anderen.
Auf Seite 5 berichten stellvertretend für viele Workshopteilnehmer zwei ZDL von ihren Erfahrungen,  außerdem stellt der Personalleiter einer großen diakonischen Einrichtung aus seiner Sicht dar, warum er den „Bildungsurlaub für Zivis“ für eine nützliche Sache hält.


Workshops und Seminare (Rüstzeiten/Werkwochen):  Was der Zivi wissen muss

Die von der Evangelischen Zivildienstseelsorge angebotenen Seminare und Reisen sind kirchliche Begleitveranstaltungen, die für alle Zivis offen sind: das Interesse am Thema ist entscheidend, nicht die Konfessionszugehörigkeit. Die Veranstaltungen wollen den Austausch über Erfahrungen im Zivildienst fördern, christlich geprägte Gewaltlosigkeit ins Gespräch bringen und die Motivation zur Friedensarbeit fördern.

Sonderurlaub

Im „Leitfaden für die Durchführung des Zivildienstes“ (www.zivildienst.org) des Bundesamts für den Zivildienst werden diese Seminare „Rüstzeiten“ beziehungsweise „Werkwochen“ und „Exerzitien“ genannt. Für die Teilnahme steht den Zivis nach Leitfaden A 8 Sonderurlaub zu, maximal 5 Arbeitstage.
Der Sonderurlaub wird unter Belassung der Geld- und Sachbezüge gewährt. Bei rechtzeitiger Anmeldung und Beantragung des Sonderurlaubs sollten eigentlich keine Probleme entstehen. Ein Zivi kann während der Dienstzeit an mehreren Angeboten teilnehmen, für zwei soll er frei gestellt werden! Der Antrag auf Sonderurlaub geht immer an die Dienststelle, die dem Antrag stattgeben soll. Über die Teilnahme an einer weiteren Veranstaltung entscheidet die zuständige Verwaltungsstelle (siehe Leitfaden A 8).
Die Anmeldung zur Teilnahme richtet man direkt an den Veranstalter der Evangelischen Zivildienstseelsorge. Dort entscheidet in der Regel der (rechtzeitige) Eingang der Anmeldung über die Zusagen.

Kosten

Die Höhe der Eigenbeteiligung des ZDL richtet sich nach dem Aufwand und der Dauer des Seminars (beziehungsweise der Reise). Im Preis enthalten sind Unterkunft und Verpflegung. Wichtig dabei: Die Dienststelle zahlt an den Zivi das volle Verpflegungsgeld (7,20 Euro/Tag) für die entsprechenden Teilnehmertage aus. Fahrtkosten für die Fahrt vom Dienstort zum Veranstaltungsort werden im Sinne der Bahnfahrt 2. Klasse auf Zivildienstausweis (egal wie die Anreise erfolgt!) bis zu max. 22,00 EUR  (in bestimmten Fällen bis zu 44,00 EUR) vom Bundesamt erstattet und während des Seminars vom Veranstalter ausbezahlt.
Die Veranstalter der Seminare erhalten von der Evangelischen Kirche Zuschüsse, Fahrtkosten werden vom Staat erstattet (siehe oben). Daraus ergeben sich die niedrigen Selbstkosten für die Teilnehmer.
Die Zivis selbst erhalten vom Bundesamt oder von der Dienststelle für Seminare und Reisen keine weiteren Zuschüsse. Workshops und Seminare der Zivildienstseelsorge sind kirchliche Begleitveranstaltungen zur Ermutigung, Besinnung und Reflexion, also von ihrem Charakter her keine Bildungsmaßnahmen zur Berufsförderung. Sie werden deshalb nicht vom Bundesamt aus dem Topf für berufliche Bildungsmaßnahmen gefördert.
Am Ende des Workshops erhält der ZDL vom Veranstalter eine Teilnahmebestätigung, die er seiner Dienststelle vorlegen muss und die dann in die Dienstsstellenakte aufgenommen wird.
Eine ständig aktualisierte Übersicht über die Angebote der Evangelischen Zivildienstseelsorge im gesamten Bundesgebiet bietet die Zeitschrift zivil und ihre Homepage www.zivil.de.