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Justizvollzugsanstalt
Angelika Leitner, 46 Jahre, ist ursprünglich Erzieherin. Heute arbeitet sie in einem Naturkostladen in Bretten und begleitet ehrenamtlich Gefangene in der Justizvollzugsanstalt.

»Menschen helfen, die Außenseiter sind«

„Ich hatte schon im Alter von 14 bis 16 Jahren Kontakt zu  Jugendlichen aus dem Landesjugendheim Schloss Flehingen. Meine Freundin und ich trafen sie immer in der Sonntag-Nachmittags-Disco. Wir bemerkten schnell, dass sie Außenseiter waren und fanden das nicht gut.  Wir schrieben den Jungs zum Geburtstag, wussten, wer in welcher Gruppe war, kannten die Erzieher von ihnen. Ich wollte sogar nach der Schule Beamtin im Strafvollzugsdienst werden und bewarb mich in der JVA Schwäbisch Gmünd. Da mein Zeugnis nicht deren Erwartungen entsprach, klappte es nicht. Heute bin froh darüber. Mir hätte damals die Lebenserfahrung und Reife gefehlt, die ich inzwischen habe. Ich machte eine Ausbildung zur Erzieherin und arbeitete 14 Jahre im Hort an der freien Waldorfschule (die mein Sohn auch besuchte) in Karlsruhe.
Derzeit betreue ich einen Gefangenen aus der JVA Bruchsal. Er ist schon der zweite Mensch, den ich im Strafvollzug als Ehrenamtliche begleite. Das heißt konkret: Besuche, Tages-Ausgänge, bei schriftlichen Angelegenheiten unterstützen… und so weiter. Einmal pro Woche, am Dienstag, bin ich in der Literaturgruppe oder im Wechsel in der Bibelgesprächsgruppe dabei. Jedes Mal mit dem evangelischen Gefängnisseelsorger.
Durch diese ehrenamtliche Tätigkeit habe ich das Gefühl, Menschen zu helfen, die wirklich Außenseiter sind. Die JVA wird in Bruchsal als so etwas wie ein TABU gesehen: „ lauter BÖSE MENSCHEN, die es nicht besser verdient haben…“
Ich werde in der JVA weitermachen, solange sich meine Einstellung zu den inhaftierten Menschen nicht ändert – etwa durch einen heftigen Vorfall. Aber das glaube ich nicht!“