Sie befinden sich hier: zivil > Freiwillig! > Berichte von Freiwilligen > Tierschutz >
Tierschutz
Bettina Fassl, 39 Jahre, Werbetexterin aus Magdeburg, engagiert sich, um Menschen für den Tierschutz zu sensibilisieren.

»Mit kleinen Schritten Tieren viel Leid ersparen«

„Ich hatte immer Angst vor Hunden, auch vor ganz kleinen. Bis wir unserer Tochter eine Schnauzerdame ins Haus holten. Tiere sollen ja Kinder lehren, Verantwortung für ein Mitgeschöpf zu übernehmen, und der Kuschelaspekt ist auch nicht zu verachten. Die zunehmende Drangsalierung der Hundehalter im Jahr 2002 in Magdeburg zwang uns zu kämpfen. Wir gründeten einen Verein. Inzwischen ist aus dem „Bündnis der Hundefreunde" ein „Bündnis für Tiere" geworden. Wir lernten dazu. Heute kennt man uns, redet mit uns, rechnet mit uns. Das kann nicht jeder von sich sagen.

Seit 2005 bin ich auch Mitglied der Tierschutzpartei und im Vorstand des Landesverbandes.

Schwerpunkt meiner Arbeit ist die Öffentlichkeitsarbeit: Den Blick auf das Mitgeschöpf lenken, die Menschen sensibilisieren. Momentan sind wir dran am Kampf gegen eine gigantische Mastanlage für 97 000 (!) Schweine! Tiere – nur zum Mästen, Töten und zum Essen! Auch Projekte wie „Ein Hund macht Schule – Tierischer Unterricht mit dem Lehrer Hund", der „Stadtführer für Hundehalter", ein Hilfstransport nach Polen oder die geplante „Vegetarische Tafelrunde" sind meine „Kinder".

Mein Engagement bringt viele nette Kontakte zu Tierfreunden mit sich, und zwar Länder übergreifend. Außerdem hat man das Gefühl, auf dem richtigen Weg zu sein. Nachts wach zu liegen und zu wissen, was den Mitgeschöpfen gerade in Versuchslaboren oder Schlachthöfen angetan wird, und sich machtlos fühlend in den Schlaf zu weinen, das würde mich zum Verzweifeln bringen. Zu wissen, ich kann zwar momentan nicht helfen, aber ich stecke drin inmitten des Systems, das mit kleinen Schritten künftigen Tiergenerationen viel Leid ersparen wird, das hilft ein wenig. Und es gibt kein Ost-West-Gedöns unter den Mitstreitern.

Frust gibt es auch. Das Scheitern des Tierheimneubaus war so ein Tiefpunkt. Wir wollten der Stadt aus der Misere helfen. Sie schiebt seit Jahren den Neubau vor sich her. Eine Landeshauptstadt ohne angemessenes Tierheim. Wo bleiben die heimatlosen Tiere? Wir hatten eine Architektin, ein positives Gutachten, einen Stadtratsbeschluss, verhandelten mit dem Oberbürgermeister! Am Ende war ein Jahr Arbeit bis spät in die Nacht – neben Beruf, Fernstudium und Familie – umsonst…

Letztendlich geht man aber aus jeder Krise gestärkt hervor. Wir haben Pläne, da kann man nicht wirklich ans Aufhören denken. Im Gegenteil: Wir laufen uns eigentlich erst warm…"